Schafgarbe, Achillea millefolium

Latein: Achillea millefolium L.
Achillea: Schon der berühmte Held der griechischen Sagen, Achilles, der sich im Kampf eine Verletzung zuzog, wurde, so wird berichtet, durch die Schafgarbe geheilt.
Millefolium: Tausendblatt, unendlich fein aufgeteilte und filigran geformte Blättchen.

Garbe kommt von Garwe = Gesundmachen. Die Schafgarbe wird gerne von Schafen gefressen.

Die Schafgarbe gehört zu den Korbblütlern, Asteraceae. Sie hat im deutschen viele Synonyme: Gänsezungen, Grillenkraut, Judenkraut, Kachelkraut, Schafzungen, Tausendblatt, Zimmermannskraut, Soldatenkraut, Achilleskraut, Bauchwehkraut, Blutstillkraut, Schafrippenkraut, Feldgarbenkraut, Garbenkraut, Katzenkraut, Jungfrauenkraut, Grundheil,

Sie kommt auf Wiesen und Weiden bis ca. 2500 m vor und ist in Europa und Nordasien heimisch, eingeschleppt in Nordamerika, Australien und Neuseeland.

Die Schafgarbe ist ein bis 80 cm hohes Kraut mit 2-3-fach gefiederten Blättern und kleinen Blütenköpfchen mit weiß oder rosa gefärbten Zungenblüten in vielköpfiger Doldentraube (rispiger Scheindolde). Sie blüht von Juni bis November und hat einen kriechenden Wurzelstock.

Es gibt mindestens 20 verschiedene Chemovars (unterschiedliche Inhaltsstoffe). Der Azulen Gehalt ist dabei am wichtigsten. Die Pflanzen sehen allerdings völlig gleich aus. Daher ist von Wildsammlungen abzuraten, wenn die entzündungshemmende Wirkung (vom Azulen Gehalt abhängig) erwünscht ist. In den Apotheken erhältliches, nach dem Deutschen Arzneibuch geprüftes Schafgarbenkraut ist auf den Wirkstoffgehalt normiert. Blüten enthalten die meisten Wirkstoffe. Rosafarbene Blüten sind nicht wirksamer.

Schafgarben auf trockenem Boden enthalten mehr Azulene. Gerbstoffe sind in allen enthalten.

Verwendet wird das ganze Kraut, ohne Wurzel


Inhaltsstoffe: auch azulenfreie Rassen bzw. Kleinarten kommen vor,

  • ätherische Öle: 0,2 – 5,8%, davon 10-20% Chamazulen, bitter schmeckende Sesquiterpene (ß-Caryophyllen, Germacren D), Luteolin-O-ß-D-glukuronid (choleretisch), Monoterpene: ß-Pinen, Sabinen, 1,8-Cineol, Campher
  • Sesquiterpenlactone: Guajanolidester, Achillin, Leucodin, Eudesmanolide, Longipinenderivate
  • Bitterstoffe,
  • Flavonoide (0,07 -1,8%), 7-O-Glykoside, Luteolin
  • Gerbstoffe,
  • verschiedene Mineralien (vor allem Kalium),
  • pflanzliche Hormone (Gestagene),
  • antibiotische Substanzen,
  • Cumarine,
  • Phenolcarbonsäuren, Sterole, Trieterpene, Betaine
  • Polyacetylene,
  • Caffeoylchinasäurederivate,
  • Chlorogensäuren

Rasa (Geschmack): bitter, scharf, zusammenziehend
Guņa (Eigenschaft): leicht
Vīrya (thermische Potenz): śīta
Vipāka (Wirkung nach der Verdauung): kaţu
Doşa: Pitta und Kapha senkend, Vāta erhöhend

Die Wirkungen sind vielfältig: wundheilend, blutstillend (nicht durch Studien belegt), stillt auch innere Blutungen (auch nach der Entbindung), blähungswidrig, entkrampfend (spasmolytisch, durch die Flavonoide), verdauungsfördernd, tonisierend, fördert die Eisenaufnahme, desinfizierend, entzündungshemmend (durch alkoholische Zubereitung, Sesquiterpenlactone, Azulene), regt die Nierentätigkeit an (durch hohen Kaliumgehalt), stärkend, kräftigend, unterstützt Blutbildung, schweißtreibend, schleimhautstärkend, blutdrucksenkend, choleretisch (Gallenflußanregend, durch Momo- und Dicaffeoylchinasäuren, Luteolin-7-O-glucuronid, klinisch und experimentell nachgewiesen), antibakteriell, adstringierend, sekretionsanregend, appetitanregend, antimikrobiell und antifungal (durch ätherisches Öl, Sesquiterpenlactone, Polyacetylene; gegen Staphylococcus aureus, Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Pseudomonas aeruginosa, Salmonella enteritides, Aspergillus niger, Candida albicans), antihepatotoxisch, blutdrucksenkend (über ACE-Hemmung), vasoprotektiv

Indikationen: Nasenbluten, starke Menstruationsblutungen, PMS, dyspeptische Beschwerden, Appetitlosigkeit, Wechseljahre, Anämie, Magenbeschwerden, Appetitlosigkeit, Darmbeschwerden, Gallebeschwerden, Unterleibskrämpfe, Erkältungen, Masern, Abszesse, Bluthusten, Fieber, Entzündungen, Hämorrhoiden, raue Lippen, Infektionskrankheiten, Vulvitis, Kolpitis, chronisch entzündliche Lebererkrankungen, Entzündungen der Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts, zur Wundbehandlung.

Die Schafgarbe gilt als Ersatz für Kamille, es fehlt lediglich das angenehme Duftaroma.

Kontraindikationen: Allergien gegen Korbblütler (Kontaktallergie) vom verzögerten Typ, mittlere allergene Potenz, übermäßiges Vāta.

Kommission E: positiv Monographie bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden (leichte krampfartige Beschwerden im Magen-Darm-Bereich), Pelvipathia vegetativa (schmerzhafte Krampfzustände psychovegetativen Ursprungs im kleinen Becken der Frau, Sitzbäder)


Zubereitung:

  • 1Teelöffel auf 1 Tasse, mit kochendem Wasser überbrühen, 15 Minuten ziehen lassen, 2 – 3 Tassen Tee täglich für ca. 2  - 3 Wochen;
  • 4 Teelöffel Schafgarbe mit 1 Liter kochendem Wasser überbrühen, 15 Minuten ziehen lassen, filtern. Auf Körpertemperatur als Sitzbad verwenden.
  • Getrocknete Schafgarbe in ein Leinensäckchen einnähen. Bei Menstruationsschmerzen über Wasserdampf erwärmen, auf den Unterleib legen.
  • Schafgarbensalbe: 2 Esslöffel Schafgarbe mit 200 ml Sesamöl erhitzen (nicht kochen!). Von der Kochstelle nehmen, über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag nochmals erhitzen, durch Sieb filtern. 35 g Bienenwachs in dem Öl schmelzen. Während des Abkühlens ½ Teelöffel Propolis-Tinktur (darf nicht kochen!) hinzugeben. In lichtdichte Gefäße abfüllen. Ca. 1 Jahr haltbar.

Indikationen äußerlich: trockene, rissige Lippen, trockene Haut und Schleimhäute (Scheide in den Wechseljahren), wundheilungsfördernd.

  • Auflagen zur Wundbehandlung und Kosmetik
  • Wildgemüse in Salaten, Suppen, Smoothies
  • Schafgarbenwickel: Baumwollwindel mit ½ Liter heißem Schafgarbentee (2 Esslöffel Schafgarbenkraut, 5-7 Minuten ziehen lassen) übergießen, mit Handschuhen ordentlich auswringen. Wickel auf den Unterleib oder die Leber legen und mit einem trockenen Handtuch abdecken. Wärmflasche darauf legen, 10-30 Minuten belassen. Ein- bis zweimal täglich. Wirkt krampflösend und mild durchblutungsfördernd. Als Leberwickel gut bei Fastenkuren geeignet, zusätzlich entgiftungsfördernd.

Fertigpräparate: Salus Schafgarbentropfen, Schafgarbe-Tropfen Tinktur, Schamill Schafgarbe-Extrakt Fluidextrakt, Imupret


Schafgarbe im Leib tut wohle dem Weib.
Kneipp: Viel Unheil bliebe den Frauen erspart, würden sie ab und zu nach der Schafgarbe greifen.

Achilleus ist der Sohn von der Göttin Thetis und dem Menschen Peleus. Er ist also von Geburt an halb Gott, halb Mensch. Um ihre Kinder unsterblich zu machen, legte Thetis sämtliche ins Feuer, wobei sie jedoch verbrannt wurden. Als Achilleus ins Feuer gelegt wird, reißt sein Vater ihn heraus. Das Feuer konnte lediglich seine Ferse berühren, welche dadurch abgestorben ist. Peleus bittet einen Kentauren (Chiron), den Leichnam eines anderen Kentauron, welcher ein schneller Läufer war, auszugraben und seine Ferse Achilleus einzusetzen. So konnte Achilleus von Kindheit an so schnell laufen wie ein Hirsch.

Eine andere Version der Geschichte: Um Achilleus unterblich zu machen, taucht seine Mutter ihn in den Höllenfluß Styx (trennt die Lebenden von den Toten). Jeder, der den Wassern des Styx lebendig wieder entsteigt, hat große Kräfte und Tugenden. Die Wasser schützen vor menschlichen Verletzungen. Achilleus ist somit geschützt und gestärkt. Nur die Ferse, an der seine Mutter ihn festgehalten hat, ist nicht mit dem Wasser in Berührung gekommen. Hier kann sich also der Tod einschleichen.

Damit er nicht in den Krieg ziehen soll, wird er von seinem Vater nach Skyros geschickt, wo er in den Gemächern der Töchter des Inselkönigs mit den Mädchen gemeinsam aufgezogen wird. Odysseus kommt als fahrender Händler getarnt vorbei und holt Stickereien, Spangen und Schmuckstücke aus seinem Korb. 49 von 50 Mädchen bewundern seine Ware. Als er einen Dolch hervorzaubert, interessiert sich nur ein Mädchen dafür. So wird Achilleus entlarvt. Er zieht tatsächlich in den Krieg und entscheidet sich so für ein kurzes Leben, aber einen langen Ruhm.


Quellen:

  • Schilcher et al., Leitfaden Phytotherapie,
  • daszaenmagazin 1/11
  • Blaschek: Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka
  • Hänsel/Sticher, Pharmakagnosie Phytopharmazie
  • Apotheker M. Pahlow, Das Grosse Buch Der Heilpflanzen
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