Süßholz, Glycyrrhiza glabra

Sanskrit: Yaşţhīmadhu, yaşţhī = Stock, madhu = Honig
Englisch: liquorice

Süßholz gehört zu den Schmetterlingsblütlern (Fabaceae). Es hat den Charakter einer Sammelart, die taxonomisch in mehrere Unterarten und Varietäten gegliedert ist. Im Handel wird spanisches, russisches, chinesisches und türkisches Süßholz unterschieden.
Süßholz ist ein kleiner Busch, eine mehrjährige Staude, die bis zu 2 m hoch wird.
Verwendet werden die holzigen Wurzeln (Pfahlwurzeln, Nebenwurzeln, meterlange Ausläufer). Sie sind sehr faserig und gelblich. Aus den Blattachsen entspringen die aufrechten Blütentrauben. Die blau-lila bis blauvioletten Schmetterlingsblüten blühen von Juni bis Juli. Süßholz ist frostempfindlich und braucht volle Sonne. Es liebt Ödland, sandige Böden, ausgetrocknete Flusstäler.
Die Pflanze ist im Mittelmeerraum, Kleinasien und Kaukasus bis Iran, Afghanistan, Zentralasien und Südrussland (G. glabra) bzw. in Ostasien (G. inflata, G. uralensis) heimisch.
Die Pflanze wird außerdem in der Türkei, China, Russland, Bulgarien, Italien, Spanien sowie Südfrankreich für die Arznei- und Genussmittel Herstellung angebaut. Die verwendete Droge stammt heute überwiegend aus Kulturen.


Lakritze: Der eingedickte Süßholzwurzelsaft wird zu unserer bekannten Lakritze verarbeitet. Bei traditioneller Herstellung wird das Erntegut zerkleinert und mit Wasser zu einem feinen, faserigen Brei zerrieben, der dann viele Stunden lang ausgekocht wird.
Nach dem Kolieren und Absitzen lassen wird der Auszug in flachen Schalen über kleinem Feuer eingedickt. Heute erfolgt das Eindampfen in entsprechenden Verdampfern unter vermindertem Druck.
Den noch warmen, zähflüssigen Extrakt gießt man in Formen, wo er erstarrt (Succus liquiritiae in Blockform). Zur Herstellung der Stangenform (Lakritzen) wird die halbfeste Masse maschinell durch Düsen verschiedener Größe gepresst und in Stücke geschnitten. Lakritzwaren bestehen nur zu einem geringen Teil (5-50%) aus Süßholzextrakt. Zur Herstellung wird Mehl verkleistert und mit Zucker, Stärkesirup, Gelatine und eingedicktem Süßholzsaft vermischt und eingedickt.

In der Kombination mit Ammoniumchlorid und Anisöl wird Süßholzwurzelextrakt zu Salmiakpastillen verarbeitet.

Geschichte: Süßholz wurde auch schon von den alten Ägyptern benutzt. Der Historiker Plinius der Ältere beschrieb, wie man Süßholz zur Behandlung von Asthma, Erkältungen und zur Wundheilung verwendet.
Die Skythen nutzten die wasserretinierende Wirkung, um in der Wüste länger mit ihren Vorräten auszukommen.
Napoleon kaute Süßholz gegen sein Magengeschwür und in Japan wird Süßholz zur Auslösung des Eisprungs verordnet.
Auch zur Korrektur des Geschmacks in Bier, Softdrinks oder in Medikamenten findet Süßholz seinen Einsatz und kann ebenso wunderbar zum Süßen von Teemischungen verwendet werden.


Inhaltsstoffe (400 verschiedene beschrieben):

  • 2-15% Triterpensaponine (4% Glycyrrhizin, Stoffgemisch aus Kalium- und Calciumsalzen der Glycyrrhizinsäure, Glykosid, verleiht der Lakritze ihren Geschmack),
  • mehr als 40 Flavonoide (1-2%) (Isoliquiritigenin, Isoliquiritin (gelb gefärbt), Liquiritigenin, Liquiritin), Isoflavone (Formononetin, Glabren, Glabridin,Licoricidin),
  • Cumarine (Umbelliferon),
  • Phytosterole,
  • Saure Polysaccharide (Schleimstoffe, Glycyrrhizan GA),
  • Sterine, Sterole, Alkohole,
  • Flüchtige Aromastoffe (Anethol, Geraniol)
  • Mineralische Bestandteile
  • Zucker
  • Stärke

Glycyrrhizin hat nahezu die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker. 24-Hydroxyglycyrrhizin hat die fast 100-fache Süßkraft.


Āyurvedische Klassifizierung

Rasa (Geschmack): madhura (süß), bitterer Nebengeschmack
Guņa (Eigenschaften): guru (schwer), snigdha (ölig), kratzend
śīta vīrya (kühlende thermische Potenz)
Madhura vipāka (süße Nachverdauungswirkung)
Süßholz senkt alle drei Doşas

Dosierung:

  • 2 – 3 g Pulver morgens mit Milch als Rasāyaņa (Verjüngungsmittel)
  • für die Milchbildung: 2 – 3 g Pulver + 2 – 3 g Zucker mit Milch
  • als Genitaldusche gegen Ödeme
  • Süßholzdusche vaginal nach Konisation
  • Erkältung: 500 mg – 1 g 3-4x tgl.
  • Es lassen sich verschiedene Süßholzextrakte unterscheiden: Süßholztrockenextrakte, dickflüssige Süßholzextrakte und Fluidextrakte
  • Bei Mundinfektionen: im Mund behalten oder gurgeln
  • Bei Pitta Gastritis: 1 Teil Pulver + 4 Teile Milch + 16 Teile Wasser auf ¼ runterkochen.

Die Absorption von Glycyrrhizinsäure ist nur sehr gering. Die Abbauprodukte werden über die Galle ausgeschieden und gelangen in den enterohepatischen Kreislauf. Zur Verbesserung der Bioverfügbarkeit werden neben der parenteralen Verabreichung neue Verwendungsformen vorgeschlagen. Z. B. die nasale oder rektale Verabreichung sowie die Zugabe von resorptionsfördernden Stoffen (z. B. Fettsäuren) zu Tabletten.


Wirkungen: Süßholz gilt als aphrodisierend (vārṇya) und vitalisierend. Nicht Süßholz raspeln, sondern gurgeln ist gut für Rachen und Stimme (rachentonisch, kaņţhya). Diese Wirkung beruht auf den auswurffördernden, immunstimulierenden, schleimlösenden, spasmolytischen (krampflösenden) Eigenschaften. Süßholz regt die Bronchialschleimhaut an, mehr dünnflüssiges Sekret zu bilden, wodurch sich zäher Schleim leichter abhusten lässt.
Es gilt als gut für die Augen (augentonisch), jedoch würde ich von einer lokalen Behandlung Abstand nehmen. Die entgiftende Wirkung lässt sich durch die antiseptische und antibakterielle Potenz erklären. Außerdem ist in vitro eine antivirale Wirkung insbesondere in Bezug auf chronische Hepatitis B und C nachgewiesen, die unter anderem auf einer Interferon Induktion beruht. Glycyrrhizinsäure vermindert dabei nicht nur die Virusreplikation (Virusvermehrung), sondern auch die Adsorption des Virus an und die Penetration in die Wirtszelle (das Eindringen des Virus in die Zelle).
In der Schwangerschaft hilft Süßholz gegen Übelkeit und Erbrechen. Nach der Schwangerschaft wird die Milchbildung angeregt.
Die entzündungshemmende Wirkung erfolgt nicht durch Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort. Neben einer Hemmung der 5-Lipoxygenase, Radikalbildung und Lipidperoxidation steht hauptsächlich die Hemmung von Enzymen im Vordergrund, die den Steroidstoffwechsel beeinflussen. Die Hauptwirkung beruht darauf, dass Glycyrrhizinsäure die Inaktivierung von Nebennierenrindenhormonen in der Leber hemmen. Damit wird eine indirekte Corticoidwirkung entfaltet, d. h. das körpereigene Cortison wird nicht unterdrückt.
Die Cholinesteraseaktivität im Gehirn wird reduziert, dadurch wirkt Süßholz nerven- und hirntonisch.
Süßholz kann die Wirksamkeit von Antibiotika gegenüber resistenten Keimen verbessern. Dies war besonders ausgeprägt bei Vancomycin-resistenten Enterococcus-faecium-Isolaten in der Kombination von Daptomycin, Teicoplanin und Gentamicin mit Saponinen zu beobachten. Denkbar wäre, dass durch Interaktion von Glycyrrhizinsäure mit Bestandteilen der Bakterienmembran die Aufnahme von Gentamicin in die Zelle erhöht wird.

Hauptindikationen:

  • Magengeschwüre und Sodbrennen. Süßholz hemmt die basale und stimulierte Salzsäure- und Pepsinsekretion in den Belegzellen, erhöht die Viskosität des Magenschleims, beugt einer bakteriellen Besiedlung der Magenschleimhaut vor. Außerdem ist eine Keim Hemmung gegenüber Helicobacter pylori in vitro nachgewiesen.
  • Entzündungen (äußerlich und innerlich).
  • Heiserkeit, Halsschmerzen, produktiver Husten
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck)
  • Vamana (therapeutisches Erbrechen). Süßholz kann in hoher Dosis Brechreiz auslösen, allerdings in niedriger Dosis Übelkeit und Erbrechen entgegenwirken.

Die Kommission E hat eine Positiv-Monographie bei Katarrhen der oberen Atemwege, Ulcus ventriculi oder duodeni Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür) herausgegeben.

Nebenwirkungen: Leider Hat Süßholz in hoher Dosierung über einen längeren Zeitraum eingenommen deutliche Nebenwirkungen, die unbedingt beachtet werden müssen.
Durch Natrium- und Wasserretention können Ödeme (Wasseransammlungen) auftreten
Bei längerer Anwendung oder höherer Dosierung (über 100 mg Glycerin Säure pro Tag) kann die Ausscheidung von Corticosteroiden verzögert werden, dies führt zu einem sogenannten Pseudoaldosteronismus. Folgen können ein Kaliumverlust und ein Bluthochdruck sein Süßholz darf nicht gleichzeitig mit Digitalisglykosiden gegeben werden.

Die Therapiedauer sollte auf 4-6 Wochen beschränkt werden.

Da in der Schwangerschaft Ödeme und Bluthochdruck auftreten können, ist die Schwangerschaft als Kontraindikation für Süßholz von der Kommission E festgelegt worden. Dies ist aus āyurvedischer Sicht problematisch, da im Āyurveda Süßholz in der Schwangerschaft explizit empfohlen wird. Eine klare Kontraindikation stellt auf jeden Fall der hohe Blutdruck dar.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Süßholz bei Magen- und Rachenerkrankungen eine sehr hilfreiche Pflanze ist. Ich setze sie zusätzlich auch sehr gerne bei niedrigem Blutdruck ein. Es sollten allerdings unbedingt die Kontraindikationen beachtet werden.

Dezember 2016, Dr. Kalyani Nagersheth


Quellen:

  • Schilcher et al., Leitfaden Phytotherapie;
  • Zeitschrift für Phytotherapie 6/2011; 1/2012
  • Gupta+Stapelfeldt
  • Schmidt S. et al. Untersuchung von ausgewählten Saponinen aus phytotherapeutisch verwendeten Drogen auf die Antibiotikaempfindlichkeit klinisch relevanter Keime. Zeitschrift für Phytotherapie 2014; 35: 158-160
  • Hänsel/Sticher, Pharmakognosie Phytopharmazie, 9. Auflage
  • Licorice abuse: time to send a warning message. Therapeutic Advances in Endocrinology and Metabolism. 2012 Aug; 3(4)125
  • Glycyrrhizic Acid Decreases Gentamicin-Resistance in Vancomycin-Resistant Enterococci... Planta Med. 2016 Aug 23. [Epub ahead of print], PubMed
  • Antifungal efficacy of three medicinal plants Glycyrrhiza glabra, Ficus religiosa, and Plantago major against oral Candida albicans: A comparative analysis. Indian J Dent Res. 2016 Jul-Aug; 27(4):433-436. doi: 10.4103/0970-9290.191895. PubMed
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