Āmlā, Phyllanthus emblica, Emblica officinalis

Die ayurvedischen Medikamente gelten in Deutschland nicht als Medikamente sondern als Nahrungsergänzungsmittel. Dennoch sollten sie, auch wenn es „nur“ Pflanzen oder Gewürze sind, ernst genommen werden. Bitte nehmen Sie nicht einfach irgendwelche ayurvedischen Mittel nach Selbsteinschätzung ein, sondern lassen Sie sich von einem ayurvedisch ausgebildeten Arzt beraten. Die Pflanzen müssen zu Ihnen passen, sie können auch Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Daher rate ich dringend von einer Selbstmedikation ab!

Sanskrit: Āmalkī, āmlā, Dhātrī (Mutter, Amme, Erde), Kāyasthā, Amoghā, Vayasyā, Ṡiva (für die gesamte Natur Wohl bringend), śānta (beruhigend, Friede bringend), Vayasthā (Jugend erhaltend), Amŗtāphala (Ambrosia), Vŗşyā (Aphrodisiacum),

Deutsch: aschfarbene Myrobalane

Englisch: indian gooseberry

Āmlā ist ein mittelgroßer Baum, der in ganz Indien wächst. Die Blätter ähneln denen der Tamarinde. Er hat grün-gelbe Blüten, weibliche und männliche Blüten sind am selben Baum. Die gelblich-grünen Früchte werden von November bis Februar geerntet und haben einen sechseckigen, dunkelgrünen Samenkern.

Verwendet werden die Früchte, Wurzeln, Blätter, Samen, Blüten. Āmlā kann innerlich und äußerlich eingesetzt werden.

10 g frische Früchte enthalten 600-900 mg Vitamin C, jede Frucht enthält 20-mal mehr Vitamin C als eine Orange. Durch Trocknen in der Sonne geht mehr Vitamin C verloren als beim Trocknen im Schatten. Aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts gehen beim Trocknen kaum Vitamine verloren.

Leider habe ich zu dieser Angabe sehr unterschiedliche Studien gefunden:

„Die Droge soll ganz außerordentlich ascorbinsäurereich sein, und zwar soll das Vitamin von Natur aus stabilisiert, also beständig sein. Die Droge soll bis zu 1,8% Ascorbinsäure enthalten; für einige Sprühtrockenextrakte werden Werte bis zu 3% angegeben. Was nun bemerkenswert ist: Es gibt eine Literaturstelle (Ghosal et al. 1996), die bisher offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen worden ist und die besagt, dass die Droge praktisch ascorbinsäurefrei ist. Die Angaben über die hohen Ascorbinsäuregehalte beruhen auf über 50 Jahre alten Analysen, die allem Anschein nach immer noch für Werbezwecke zitiert werden. Überprüft werden müssten zunächst authentische Drogenmuster; die Angaben der Handelspräparate könnten durchaus korrekt sein, falls synthetische Ascorbinsäure zugesetzt wird. Hauptinhaltsstoffe der Droge jedenfalls sind Derivate der Gallus- und Ellagsäure.“ Hänsel/Sticher, Pharmakognosie Phytopharmazie, 9. Auflage, 2010


Ayurvedische Klassifikation

Rasa (Geschmack): alle außer salzig

Guņa (Eigenschaft): laghu (leicht), rūkşa (trocken)

Vīrya (thermische Potenz): śīta (kühlend)

Vipāka (Wirkung nach der Verdauung): madhura (süß)

Doşa: Vāta-Pitta-Kapha reduzierend

Durch den sauren Geschmack wird Vāta reduziert, durch den süßen Geschmack und die kühlende Potenz wird Pitta reduziert und durch den scharfen, bitteren und zusammenziehenden Geschmack und leichten und trocknenden Eigenschaften wird Kapha reduziert.

Wirkungen: gut für die Haare (auch in Haarölen enthalten), verdauungsfördernd, lebertonisch, gut für das Herz, beugt der Alterung vor und fördert die Langlebigkeit, abwehrsteigernd, für alle drei Doşas geeignet, lebertonisch, antiabortiv, antiviral, antibiotisch

Ein alkoholischer Extrakt der Pflanze verstärkt den Glykogen Gehalt im Herzen, reduziert SGOT, SGPT und LDH. Dies deutet auf eine kardioprotektive Wirkung hin.

Indikationen: Übersäuerung, Harntrakterkrankungen, Anämie, Diabetes, Hepatitis, Infektanfälligkeit, Hautkrankheiten, Augenkrankheiten

Kontraindikationen: keine bekannt

Der Āmlā Baum wird mit den Göttern Śiva und Vişņu assoziiert. Die Göttinnen Lakşmi (Vişņus Ehefrau) und Pārvatī (Śivas Ehefrau) waren auf dem Weg zu einem heiligen Ort im indischen Bundesstaat Gujarat. Pārvatī sagte zu Lakşmi, dass sie Vişņu durch eine Gabe anbeten wollte. Lakşmi wollte daraufhin Śiva anbeten. Da waren beide Göttinnen so gerührt, dass sie weinen mussten. Aus ihren Tränen entstand der Āmlā Baum. Daher sind die Blätter dieses Baums als Gaben zum Anbeten der beiden Götter Śiva und Vişņu geeignet und unverzichtbar.


Die Āmlā Frucht ist der wichtigste Hauptbestandteil eines sehr berühmten ayurvedischen Medikamentes:

Cyāvanprāśa

Es war einmal ein alter, weiser ŗşi namens Cyāvana Bhargava. Durch Kasteiung und intensives studieren der Veden erlangt er das Wissen der Unsterblichkeit, welches ja eigentlich den Göttern vorbehalten ist. Dummerweise besitzt er nicht das Wissen der Verjüngung. Daher kann er zwar nicht sterben, wird aber doch alt und sehr gebrechlich.

Um nun das Wissen der Verjüngung zu erlangen, bittet er also seine Söhne, ihn auf einem verlassenen Opferplatz am Ufer des heiligen Flusses Sarasvatī (den es heute leider nicht mehr gibt) niederzulegen und zu verlassen. Er möchte dort nackt, nur mit Asche bekleidet liegen. Obwohl sie dies nicht wirklich gut heißen konnten, entsprechen sie seiner Bitte. Wer würde es schon wagen, seinem Vater widersprechen.

Dort alleingelassen stimmt er folgenden Gesang an: „Ich möchte wieder jung sein; ich möchte eine Jungfrau zur Gattin bekommen; ich möchte tausend Rinder opfern.“

Nach einiger Zeit kommt eine Sippe von Kuh- und Schafhirten bei ihm vorbei. Sie sehen diesen alten, nackten, lediglich mit Asche bestrichenen Greis am Flussufer liegen und machen sich fürchterlich über ihn lustig. Sie benehmen sich sehr unflätig und beschmieren ihn sogar mit Lehm, Mistklumpen, Asche und Staub.

Da nun Cyāvana aber doch ein großer ŗşi ist, stiftet er zur Bestrafung Unfrieden unter dieser Gruppe, sodass sie sich gegenseitig nicht mehr kennen. Sie sprechen auch auf einmal nicht mehr dieselbe Sprache, können sich daher zwar nicht mehr verstehen, aber doch noch sehr gut streiten. Es herrscht ein großes Chaos.

Der Anführer der Gruppe erkennt den eigenen Fehler und die große Macht des Cyāvana und bittet ihn um Verzeihung. Cyāvana solle doch den Fluch wieder von ihnen nehmen, sie würden ihn dann auch mit Respekt behandeln.

Cyāvana verlangt als Wiedergutmachung die junge schöne Tochter des Anführers zur Frau. Da er ein alter Mann ist, beschließt die Sippe, ihm die junge Frau zum Schein da zu lassen. Sie soll ihnen jedoch nach ihrem Aufbruch sofort folgen, in der Hoffnung, dass der alte Mann sie nicht einholen könne. So wird es dann auch vollzogen. Als die junge Frau jedoch fortgehen möchte, spricht Cyāvana: „O Schlange, steh deinem Freunde bei!“ Da erhebt sich eine schwarze Schlange gegen sie, versperrt ihr den Weg und sie verzagt.

So lebt nun dieses etwas ungleiche Paar am Ufer des heiligen Flusses. Cyāvana liegt in tiefer Meditation versunken, bewegt sich nicht und spricht auch nicht. Interessanterweise merkt die junge Frau nach einiger Zeit der Abscheu, dass sie doch Gefühle für ihn entwickelt und sich gerne in seiner Nähe aufhält. Obwohl er nicht mit ihr spricht, entsteht eine Bindung und Zuneigung.

Zur damaligen Zeit wandeln die Ashvin Zwillinge Heilpraktiken ausübend auf der Erde. Sie haben die prächtigsten aller Gestalten, die man je gesehen hat, dennoch sind sie nicht am göttlichen Soma Opfer (Unsterblichkeit bringender Nektar) beteiligt. Sie sind lediglich Halbgötter, haben daher nicht das Wissen der Unsterblichkeit. Aber da sie die Ärzte der Götter sind, haben sie das Wissen der Verjüngung.

Eines Tages kommen sie am Ufer des Sarasvatī-Flusses entlang. Als sie dieses ungleiche Paar sehen, wollen sie die junge Frau sofort zu ihrer Gemahlin machen. Die junge Frau lehnt jedoch ab: „wem mich mein Vater gegeben hat, dessen Gattin werde ich sein.“ Cyāvana ist mit dieser Reaktion sehr zufrieden. Er sagt ihr, dass diese beiden am nächsten Tag wiederkommen und ihr dasselbe Angebot wieder machen werden. Daraufhin solle sie antworten: „Ihr seid die Gebrechlichen, die ihr, obwohl Götter, keine Somatrinker seid. Unversehrt ist vielmehr mein Gatte, der ein Somatrinker ist. Er hat auch die Macht darüber, euch zu Somatrinkern zu machen.“ Dadurch erhofft sich Cyāvana, die Erneuerung seiner Jugend zu erlangen. Genauso geschieht es am nächsten Tag.

Die Ashvin Zwillinge gehen auf einen Handel ein und versprechen das Wissen der Verjüngung im Gegenzug zum Wissen der Unsterblichkeit. Um die Verjüngung zu erlangen, müssen alle drei Herren gemeinsam in den Sarasvatī-Fluss eintauchen. Dann werden alle drei jung, wunderschön und vollkommen gleich aussehend wieder hervor kommen. Da die Ashvin Zwillinge immer noch großes Interesse an Cyāvanas wunderschöner, blutjunger Frau haben, schlagen sie vor, dass diese dann aus den drei jungen Männern ihren zukünftigen Gemahl auswählen soll. Die junge Frau möchte aber doch gerne ihren Cyāvana behalten. So treffen die beiden eine heimliche Absprache, dass Cyāvana, sobald er aus dem Wasser kommt, gegen die Sonne blinzeln wird.

Die Ashvin Zwillinge nahmen Cyāvana mit zur Verjüngungsstätte am Fluss Sarasvatī und er bekommt tatsächlich eine genauso prächtige Gestalt wie sie. Aber er wird durch sein Zwinkern von seiner Frau erkannt und ausgewählt. Die Ashvin Zwillinge gehen leer aus. Zum Glück nicht ganz leer, denn im Gegenzug nennt Cyāvana den Ashvin Zwillingen den ŗşi, zu dem sie in die Lehre gehen sollen, damit sie die Unsterblichkeit erlangen. Dieser ŗşi weiht die beiden ein und sie werden fortan von den anderen Göttern am Soma beteiligt.

Cyāvana, wieder jung geworden, mit einer Jungfrau verheiratet, bekommt von seinem Schwiegervater tausend Rinder, um diese zu opfern. So sind alle seine Wünsche in Erfüllung gegangen, die er in seinem Gesang genannt hatte. Das Wissen der Unsterblichkeit ist nach wie vor den Göttern vorbehalten, aber das Wissen der Verjüngung hat uns Cyāvana netterweise überliefert. Heute bekommen wir sie in Form einer Art Marmelade (Cyāvanprāśa), die uns auch bei der Verjüngung hilft.


Quellen:

- Dr. Prakash Paranjpe, Indian Medicinal Plants – Forgotten Healers;

-  S. K. Bhattacharjee, Handbook of Medicinal Plants;

- Shakti M. Gupta, Plant Myths and Traditions in India;

- C. P. Khare, Encyclopedia of Indian Medicinal Plants;

- Zoller/Nordwig, Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin;

- Prof. J. K. Ojha, Chyawanprash From Vedic To Genomic Era

- Gupta+Stapelfeldt

- Hänsel/Sticher, Pharmakognosie Phytopharmazie, 9. Auflage, 2010

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